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Die ConSozial 2016 - Sozial und digital

Andrea Bellmann ist schon am ersten Vormittag zufrieden. „Bisher haben sich drei Unternehmen vorgestellt, sogar Stellenangebote haben wir bekommen“, sagt die 28-Jährige, die an der Evangelischen Hochschule Nürnberg im fünften Semester Sozialwirtschaft studiert. Gemeinsam mit einigen Kommilitonen steht sie auf der ConSozial, bietet an ihrem Stand Kaffee, vegane Kekse und vor allem eines an: Kooperation. Ihr „Verein für Sozialwirtschaft“ will mit Einrichtungen in Kontakt kommen, gemeinsame Projekte mit Studenten anstoßen oder Absolventen vermitteln. Ein großes gemeinnütziges Unternehmen wollte zum Beispiel wissen, ob sein Image verstaubt sei. „Und ja, es war völlig verstaubt“, meint Bellmann lachend. „Jetzt erstellen wir ein Konzept, wie sie sich neu aufstellen können, auch im Bereich Social Media“.

Sich neu aufstellen, von der Digitalisierung profitieren – darum drehte sich vieles bei der diesjährigen ConSozial unter dem Motto „Soziale Marktwirtschaft 4.0“. Referenten berichteten etwa von intelligenten Wohnungen und virtuellen Tagesbegleitern, denen man zum Beispiel einen Einkaufszettel diktieren können soll. Aussteller zeigten, wie eine Anwendung auf dem Smartphone einen Rollstuhlfahrer auf barrierefreie Wege lotst oder wie eine App für leichtes Lesen funktioniert. All das kann die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erleichtern – und teilweise vielleicht erst möglich machen. Die bayerische Sozialministerin Emilia Müller mahnte auf dem Leitkongress der Branche in den Nürnberger Messehallen denn auch, man dürfe nicht nur die Gefahren, sondern auch die Chancen des digitalen Wandels wahrnehmen.

Sebastian Prieß hat den Eindruck, dass sich immer mehr Sozialunternehmen für digitale Neuerungen öffnen. „Das ist aber ein langsamer Prozess“, sagt der Projektleiter von GeoCon, einem Anbieter von Dienstplanungs-Software. „Gerade die Dienste regeln viele noch mit Stift und Papier“. Mit dem Programm könne man zum Beispiel einschätzen, wie hoch der Personalbedarf ist. So blieben den Mitarbeitern Überstunden erspart, aber es gebe auch wenig Leerlauf. Außerdem sparten die Zuständigen Zeit und machten weniger Fehler.

Jeder, der über die ConSozial streifte, konnte sehen, dass die Branche für viele Software- und Beratungsunternehmen zunehmend interessant wird: Viele der 240 Messestände waren von solchen Anbietern gebucht. Und sie sprechen längst nicht nur Pflegeheime und große kirchliche Einrichtungen an. Kitafino, ein Nürnberger Unternehmen und gerade vier Jahre auf dem Markt, will Kitas, Schulen und Eltern den Alltag erleichtern. Per App können Mütter und Väter das Mittagessen für ihren Nachwuchs bestellen – oder wieder abbestellen. Wo früher ein Anruf nötig war, reicht heute ein Klick.

Kitafino liefert selber kein Essen, sondern verwaltet nur Bestellungen und Abrechnungen anderer Caterer. „Dafür nehmen wir 15 Cent auf den Essenspreis obendrauf“, sagt Kundenbetreuer Simon Polster. „Andere Anbieter verkaufen ihre Software und eine Schule muss dann eine Halbtagskraft bezahlen, um die Abrechnung damit zu machen“. Die ConSozial, meint Polster, sei seine Heimatmesse: „Es ist immer wieder schön, Kunden hier zu treffen – und entspannter als in einem geschäftlichen Kontext“.

An Interessenten dürfte es jedenfalls nicht gemangelt haben: Der Kita-Kongress der ConSozial lief praktisch gleich nebenan. Selbst dort ging es übrigens den Einsatz digitaler Medien und was Kinder „zwischen Matschhose und Tablet“ davon haben. Wer selber Kinder hat, der weiß schon mal: Das mit dem Wischen haben die Kleinen schnell kapiert. Und wenn sie erwachsen sind, werden virtuelle Tagesbegleiter wahrscheinlich schon alltäglich sein. Oder Roboter in Gestalt einer Plüschrobbe, die einen beruhigenden Einfluss auf demente Menschen haben sollen und schon heute in einigen Dutzend deutschen Pflegeeinrichtungen im Einsatz sind.

So eine Robbe bekam auch Sozialministerin Müller in den Messehallen auf den Arm – und erinnerte daran, dass trotz aller technischen Möglichkeiten der Mensch im Mittelpunkt stehen muss. Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, betonte: Es hänge alles davon ab, ob die digitale Technik so eingesetzt werde, dass sie dem Menschen dient.

Text: Sarah Benecke

Bildmaterial zur diesjährigen ConSozial finden Sie hier.

 

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